Das plötzlich Gute

Alleine stehe ich hier, an der Klippe des Berges. Frischer Wind stößt in mein Gesicht, meine Augen geschlossen. Der dunkle und furchteinflößende Ozean einen Fehltritt entfernt. Auf der Bergspitze ist die Fläche auf der ich stehe nicht sonderlich groß. Ein Schritt zurück oder nach vorn und ich falle in die Tiefen, die geschmückt sind mit porösen Felsen und Brocken, die danach schreien sich durch meine Haut zu bohren. Wie kommt man nun auf eine Fläche, die keinen Weg dorthin kennt, sondern lediglich die Spitze des Berges abbildet? Was wäre, wenn eine andere Person, eine übernatürliche Kraft, dir unter die Arme gegriffen hat, um dich hier hinauf zu manövrieren? Was ist, wenn man selbst nicht verantwortlich ist für jeden Schritt, den man aus vollster Anstrengung wagte, immer nach vorne, allen Tälern zum Trotz? 
Ich fühle mich wie ein Dieb, etwas was mir gegeben wurde nehme ich und renne weg. Es war jedoch nicht meine Entscheidung dieses einmalige Gefühl des schwebenden Zustands zu genießen. Ich habe ihn mir nicht mal ausgemalt und deswegen trifft es mich unvorbereitet und ich fühle mich haltlos, unsicher und die Ängste ebnen sich den Weg, langsam, aber sicher, in meine Gedanken. Dort verharren sie, vermehren sich wie ein Virus und jede erdachte Möglichkeit des Verlustes wird zu einer Bakterie, jede Hoffnung die leichte Brise des Windes auf meiner Haut, die hervorgerufenen Tränen der Freude in meinen Augen, die frische der Luft reinigend durch meinen Körper fließend, weiterhin empfinden zu dürfen, zu einem Antikörper. 
So stehe ich nun inmitten einer Wahl, die ich nicht treffen möchte, inmitten eines Sturms, der sich im schönsten Augenblick in meinem inneren entfacht, wirbelt und mich aus dem Gleichgewicht bringt, während mein weiteres Schicksal sich an meine Fähigkeit die Balance zu halten, festhält. 
Das plötzliche, entschwindet oft, weil es kein Fundament besitzt, auf dem man sich frei bewegen kann. Schritte nach hinten, zur Seite, nach vorn, entsprechen einen natürlichen Gang. Wer läuft denn immer geradlinig nach vorne? Durch den fehlenden Weg, den man sich bis hierhin geebnet hat, fehlt die Möglichkeit Schritte zu machen, ohne zu verlieren.  
Ich verharre hier, nach Hilfe schreiend, bereit diesen Moment aufzugeben und mich wieder am Boden zu bewegen. Nicht, weil ich es nicht liebe, aber weil ich gefangen bin. Gefangen in einer Falle der Schönheit. Von hier aus können nur noch Fehler passieren und deswegen schreie ich, so laut bis mich jemand hört, oder bis die fragile und poröse Schicht des Gesteins, die kleine Fläche auf der ich mich bewege, durch den Schall meines Schreiens, in sich zusammenfällt.

2 Kommentare zu „Das plötzlich Gute

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