Tom Shortstory / Teil 1

Er war nicht der, der er sein wollte und irgendwie auch nichts anderes.

Seine Existenz basierte im Grunde genommen auf zwei Eigenschaften. Funktionieren und der Erholung vom Funktionieren, um dann wieder funktionieren zu können. Manchmal fragte er sich in welchem Teil des Uhrwerkes er seinen Platz einnimmt . Ist er leicht austauschbar, eine Rarität, so individuell und wichtig, dass ohne ihn die Uhr aufhören würde zu ticken?

Tom war nicht der Held, er hatte keine Absichten, zumindest keine die unfassbares Arme ausstrecken nach einem Ziel, voraussetzten. Er war nicht zufrieden aber auch nicht unzufrieden. Eher so ausgeglichen. An seinen Wochenenden setzte er sich in sein Lieblings Café und las den neulich erschienen Roman  seines Lieblingsautors. Dutzende Menschen spazierten durch die Tür. Eltern mit ihren Kindern, Frauen und Männer, genau wie Tom. Auch an diesem Nachmittag sah alles nach einem stinknormalen Samstag im Café aus, bis eine spürbare Energie, seine Aufmerksamkeit erhaschte. Er war sich nicht wirklich sicher, was genau ihn jetzt in diesem Moment davon abhielt seinen Roman weiterzulesen. Erst merkte er, dass sein Blick allmählig abschweifte. Seine Konzentration ließ schlagartig nach. Er fühlte sich unausgeglichen und spürte die Aufregung durch seine Adern kribbeln. Er versuchte das Gefühl zu ignorieren und las zunächst weiter. Doch selbst durch diesen Kraftakt und der enormen Anstrengung, konnte er sich nicht  fokussieren. Er sah sich um. Er spürte zwar, dass irgendwas nicht stimmt, als ob eine Farbe nicht in das sonst so harmonische Bild passen würde, aber er wusste dieses diffuse Gefühl nicht einzuordnen.

„Hey, ist hier noch frei?“. Er sah hinauf, dann ließ er den Blick durch den Raum schweifen. Einige Plätze um ihn herum waren noch frei. Er nickte. „Ganz schön regnerisch draußen, so ein Wetter erscheint mir wie der ungebetene Gast auf einer Party“, entgegnete ihm die Frau, mit einem Hauch von Lächeln auf ihren Lippen. Er hatte gar nicht bemerkt, dass graue Wolken aufgezogen sind und der Asphalt im gräulichen Schein des Alltags, anfing zu ertrinken.

Eine Weile war es bereits her, dass er Begegnung machen durfte, mit so einer charmanten aber zugleich auch schwer zu deutenden Frau.

Es war so, als könnte man ihr nicht genau in die Karten gucken, weil sie ihre nicht offenlegt. Manchmal, wenn sie etwas von sich preisgibt, ist es so, als würde sich ein Spalt öffnen und man dürfte für einen Wimpernschlag lang einen Einblick in ihr innerestes erhaschen, bis die Tür wieder zuknallt und die auferweckte Neugierde, die sich anfühlt wie ein Funken, damit erlischt. Manchmal, hat er das Gefühl, dass sie ihn damit kontrollieren kann.

Mal lässt sie ausversehen eine Karte fallen, doch ehe man wirklich erkennen konnte was es für eine war, hat sie sie bereits wieder in Sicherheit, in ihren Reihen, dem Mitspieler den Rücken zugekehrt. Was meinte sie also als sie sagt, sie könnten sich gerne mal wieder sehen und er würde sie finden, wenn er die Zeichen richtig deutet?

Sie hatte die ganze Zeit kein Handy auf den Tisch, konzentrierte sich auf ihn und vereinnahmte ihn so sehr, dass er sich teilweise von ihr in den Bann gezogen fühlte. Dabei machte sie nicht viel, außer ihre Karten anzudeuten und seine Reaktionen zu lesen.

Die Tage vergingen und er musste zur Arbeit.

Schon wieder so ein regnerischer Tag. Auf dem Weg zum Bus, mit beiden Händen in den tiefen Jackentaschen und dem Gesicht, verdeckt unter der Kapuze.  Der Wind wehte heftig und Regentropfen verdeckten sein Gesicht, bis sie platzen und in Form von Tränen herabfließen.

Er wollte nach einem Taschentuch greifen, doch die Oberfläche fühlte sich anstatt weich, rau an. Er nahm die Hand aus seiner Jackentasche, öffnete seine Faust und sah einen Zettel in seiner Handoberfläche verweilen. Komisch, dachte er sich. Doch eher er Zeit hatte seinen Gedanken zu Ende zu denken, durchnässte der Regen das Blatt binnen Augenblicken und die Tinte begann zu verschmieren.

Er erschrak, als ihm plötzlich Wasser entgegensprang. Gerade noch so eben konnte er ausweichen, der Bus war da.

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